Mehr als 1ooo Jahre gewartet
Das Herz von der Welt ist in Auenheim
.. so berichtet der Kölner Stadtanzeiger von der Proklamationssitzung am 14.11.2oo9
Mehr als tausend Jahre weit lässt sich die Historie des Dorfes zurückverfolgen, und in der Chronik ist manch denkwürdiges Ereignis festgehalten. Nach Spuren von närrischem Hochadel suchte man in den Annalen bislang allerdings vergebens. Doch das wird sich ändern: Prinz Jörg I. (Malolepszy), Bauer Harry (Ventz) und Jungfrau Thomia (Thomas Wieland) sind fest entschlossen, das Auenheimer Geschichtsbuch als „Jahrtausend-Dreigestirn“ um ein unvergleichliches Kapitel zu bereichern. Damit begonnen haben sie bei ihrer stimmungsvollen Proklamation im ausverkauften Festzelt am Ordenshof.
Spieß umgedreht
Seit Menschengedenken werden die Tollitäten für Niederaußem und Auenheim von der Niederaußemer KG „Fidele Geister“ gestellt, und immer sind dabei bisher Bewerber aus dem großen Hauptort zum Zuge gekommen. Vor einiger Zeit jedoch beschlossen einige Aktivisten vom Auenheimer Bürgerverein „St. Florian“ heraus, etwas Unerhörtes zu wagen und den Spieß einfach mal rumzudrehen. Und siehe da: Die „Fidelen Geister“ ließen sich nicht lange bitten und erfüllen den Auenheimern nun den Wunsch, auch einmal das Dreigestirn zu stellen. „Das war gar kein Problem, denn zwischen Niederaußem und Auenheim gibt es kein Konkurrenzdenken. Gerade im Niederaußemer Karneval sind die unsere Gruppen längst eine feste Größe“, erklärt Prinzenführer Ralf „Bübi“ Czense. Er lässt keinen Zweifel daran, dass nun richtig die Post abgehen wird: „Für viele ist Auenheim nur das Dörfchen hinterm Kraftwerk. Aber eines muss man wissen: Wenn's ums Feiern geht, macht uns so schnell keiner was vor.“
Entsprechend hoch ging's bei der Proklamationssitzung her. Jubelstürme brachen aus, als Bürgermeisterin Maria Pfordt den Tollitäten die Insignien der närrischen Macht überreichte und als Prinz Jörg - im Hauptberuf Elektroinstallateur, in der Freizeit Hobbygärtner mit allseits bekanntem Hang zur Perfektion bei der Rasenpflege - das Sessionsmotto verkündete: „Das All ist groß, die Welt ist klein, das Schönste aber ist Auenheim.“ Durch die Session begleitet wird das Dreigestirn des Bürgervereins von einem Gefolge der besonderen Art. Nachdem die Neuigkeit die Runde gemacht hatte, formierte sich spontan eine Gruppe von Karnevalsjecken, die mit Blick auf die lange Dorfgeschichte in Landsknecht-Trachten durch die Säle ziehen wird. Über 30 Mann stark sind die „Auelemer Landsknechte“.
Schmucker Prinz liebt seinen Rasen
... so berichtet die Kölner Rundschau vom Proklamationsabend:
Auf der anderen Seite des Kraftwerks musste es wohl einen heimlichen Groll gegeben haben, weil Auenheim zwar im Namenszug der „Fidelen Geister“ geschrieben stand, aber immer nur Prinzen aus Niederaußem das Zepter in die Höhe rissen.
Nun ist die Zeit der närrischen Ohnmacht vorbei. Und als Bürgermeisterin Maria Pfordt Prinz Jörg I. die Bühne überließ, mischten sich die Freudenschreie mit dem schrillen Signal von Trillerpfeifen.
Es war kein Festzelt, sondern ein Hexenkessel, durch den sich das Trifolium erst einmal seinen Weg bahnen musste. Oben auf der Bühne angelangt, führte eine Offizierseskorte Maria Pfordt hinzu. Und die verriet alle jenen, die es noch nicht wussten, wie dieser Ausnahmefall zustande kam. „Schuld ist Pattens Pitter“, benannte sie den Verantwortlichen. Der hatte den Coup der im Bürgerverein St. Florian wirkenden Herrschaften eingefädelt und auf einem Bierdeckel notiert. Vier Jahre später kam es nun „zu einem großen Tag für Auenheim“.
Triumphal erschien der Empfang für allem für den „schmucken Prinzen“. Damen, die sich Hoffnung machen, redete Pfordt aber ins Gewissen: „Er ist vergeben, aber nicht verheiratet - wie der Prinz von Monaco.“
Der ganze Stolz des Jörg Malolepszy ist sein Rasen. „Den bearbeitet er nur mit Nagelschere und Pinzette“, beschrieb Pfordt einen pedantischen Hang bei Seiner Majestät. Dem Paradeprinzen steht ein besonders stattlicher Bauer zur Seite. Harry Ventz ist für seine DJ-Künste am Plattenteller bekannt und besitzt ein Talent zum Anwerben von Neuzugängen für St. Florian. Seinem Charme ist auch Jungfrau „Thomia“ Wieland erlegen. Sonst mit schweren Maschinen vertraut, trägt sie von nun an zierliche Grazie zur Schau.
Keinen Grund zum Umgewöhnen hat hingegen Prinzenführer Ralf Czense. Als Ortsvorsteher gibt das Organisationstalent die Regie nicht ab, sondern verlagert sie nur in die fünfte Jahreszeit. Und wo wäre es auch schöner zu regieren als im Heimatort? Dementsprechend dichtete der Prinz: „Das All ist groß, die Welt ist klein. Das Schönste, was wir haben, ist Auenheim.“




